Verschwunden, und Gott sei Dank

"Hör mal, Nachbar, ich habe eure Katze schon lange nicht mehr im Treppenhaus gesehen. Wie geht es ihr eigentlich? Lebt sie noch, ist sie gesund?"

Der Nachbar, der gerade den Müll hinunterbrachte, hörte von der Katze, wurde plötzlich munter und grinste übers ganze Gesicht: "Ach, die ist vor ein paar Tagen verschwunden. Und Gott sei Dank!"

"Warum Gott sei Dank?" Klaus bemühte sich, die Frage so zu stellen, dass seine Stimme ruhig und gleichgültig klang. Doch in seinem Inneren kochte alles.

In den letzten zwei Wochen war Klaus aufgefallen, dass seine Nachbarn ihren Hauskater immer öfter ins Treppenhaus warfen. Ja, buchstäblich packten sie ihn am Genick und warfen ihn hinaus. Mal war es der Besitzer. Mal die Besitzerin. Und manchmal… flog das arme Tier direkt vor seiner Nase durch die Luft.

"Vorsicht!" hatte Klaus der Nachbarin einmal zugerufen. Aber die wollte gar nicht erst zuhören. Anstatt sich für ihr Verhalten zu entschuldigen, funkelte sie ihn von unten herauf an und schlug die Tür zu. Genauer gesagt: Sie knallte sie mit solcher Wucht, dass die Scheiben im Treppenhaus klirrten und im Fundament des Hauses mit Sicherheit ein, zwei Mikrorisse entstanden.

Anfangs glaubte Klaus noch naiv, dass die schrulligen Nachbarn ihren Kater einfach nur spazieren schicken oder an den Freigang gewöhnen wollten. Doch nach einer Weile begriff er, dass es eine Strafe für irgendwelche Vergehen war. Nach dem Motto: Hast du was angestellt, ab mit dir ins Treppenhaus.

Mal verschreckt, mal unendlich traurig, saß der Kater stundenlang auf dem Treppenabsatz im dritten Stock vor einer Tür, die mit braunem Kunstleder bezogen war, und wartete darauf, dass man ihm vergab und ihn wieder hereinließ. Und seine Besitzer vergaben ihm natürlich. Sie holten ihn zurück. Aber nie sofort. Wenn er jedoch zu miauen oder an der Tür zu kratzen begann, bekam er von der Frau sofort den Besen zu spüren.

Klaus hatte einmal mit eigenen Augen gesehen, wie das vor sich ging. Er war gerade die Treppe hinaufgestiegen – der Aufzug war seit einem halben Jahr defekt – und als er den dritten Stock erreichte, bemerkte er den vertrauten Kater. Er wollte ihn sogar begrüßen, aber… der Kater schenkte Klaus keine Beachtung. Er miaute laut und kratzte mit seinen Krallen an der Tür. Er wollte offensichtlich nach Hause, und weil man ihn nicht hineinließ, hatte er beschlossen, auf diese simple Art an sich zu erinnern.

In der Wohnung waren Schritte zu hören, dann wurde die Tür abrupt aufgerissen, und die Besitzerin in einem verwaschenen Bademantel drosch dem Kater wortlos mit voller Kraft den Besen über den Rücken und schloss die Tür sofort wieder. Es geschah so schnell, dass Klaus nicht einmal Zeit hatte, etwas zu sagen. Und er hätte einiges zu sagen gehabt… Er wollte diese Frau beschämen, die so hässlich mit ihrem Haustier umging.

"Na, Freundchen, hat es dich schwer erwischt?" fragte Klaus, als er zu dem Kater trat. Der Kater sah ihn mit traurigen Augen an, aber in seinem Blick lag auch Dankbarkeit – dafür, dass wenigstens jemand ihn beachtete.

Der Kater wurde für jede Kleinigkeit ins Treppenhaus geworfen. Einmal hörte Klaus die Nachbarin durch die ganze Wohnung schreien: "Ach, du Miststück! Schon wieder die Vase umgeworfen! Heinz, wirf die Katze sofort raus. Sie soll lernen, nicht über die Tische zu springen!" Und eine Minute später öffnete sich die Tür einen Spalt, und eine behaarte Männerhand streckte sich heraus, die den Kater fest am Genick hielt. Dann öffneten sich die Finger, der Kater plumpste auf den Treppenabsatz, und die Tür fiel sofort wieder zu.

Der Kater rappelte sich auf und setzte sich mit dem Gesicht zur Tür – um zu warten, dass man ihm vergab und ihn wieder in sein Zuhause hineinließ. Klaus schüttelte nur missbilligend den Kopf. Er verstand solche Erziehungsmethoden einfach nicht. Er streichelte den Kater und ging nach Hause. Der Kater jedoch blieb an derselben Stelle sitzen, mit einem Ausdruck universeller Traurigkeit auf seinem schnurrbärtigen Gesicht.

Klaus war kein allzu sentimentaler Mensch, aber dieses Bild setzte sich in ihm fest wie ein Splitter. "Kann man denn so mit einem Lebewesen umgehen?", dachte er.

Nach einiger Zeit, wenn Klaus vorbeiging, verlangsamte er jedes Mal seinen Schritt, und der Kater, der ihn erkannte, begann leise zu tuckern – zur Begrüßung und ein wenig unterwürfig. Manchmal hockte sich Klaus neben ihn, kraulte ihn hinter dem Ohr, und der Kater schloss die Augen, drückte seinen Kopf in die Finger und stieß dann mit seiner feuchten Nase in Klaus' Handfläche. Der Kater war warm, lebendig und sehr zutraulich, und davon wurde es Klaus im Herzen ganz elend. Er verstand einfach nicht, wieso so einer lieben Katze solche herzlosen Besitzer beschieden waren. Wozu, fragte er sich, hatten sie sich das Tier überhaupt angeschafft, wenn sie außer sich selbst niemanden liebten? "Seltsame Leute, mein Gott."

Und als er dem Kater einmal wieder im Treppenhaus begegnete, fasste Klaus einen festen Entschluss: Wenn diese Leute das Tier noch einmal ins Treppenhaus werfen, würde er etwas unternehmen. Es reichte mit der Quälerei. Er wusste noch nicht, was genau er tun würde, aber er fühlte, dass er unbedingt eingreifen musste, sonst würde das niemals aufhören.

Der Tag, an dem Klaus' Geduld endgültig riss, kam an einem Freitag, als er besonders wütend nach Hause kam. Auf der Arbeit hatte er sich mit Kollegen gestritten, in der U-Bahn schubsten ihn die Leute und traten ihm auf die Füße, und dazu nieselte es draußen seit dem Morgen einen feinen, unangenehmen Regen. Kurz gesagt, seine Laune war auf dem Nullpunkt. Vielleicht sogar darunter.

Als er die Treppe hinaufstieg, hörte Klaus schon vom zweiten Stock das vertraute, klagende "Mia-uuu". Der Kater saß wie immer treu ergeben vor seiner Tür, aber man ließ ihn nicht nach Hause. Und im Treppenhaus war es, nebenbei bemerkt, ziemlich kühl. Draußen war schließlich nicht gerade Mai. Klaus blieb auf dem Treppenabsatz stehen und blickte nachdenklich auf den Kater, der ihn wie üblich mit Tuckern begrüßte und ihm entgegenkam.

Und dann – peng! – erschienen ihm all die Probleme des heutigen Tages mit einem Mal als pure Lappalie. Der Kater hatte Probleme. Welche? Riesengroße! Man behandelte ihn wie einen Gegenstand. Wie ein Stück Spielzeug. Was konnte schlimmer sein?

Klaus lauschte in die Stille hinter der Kunstledertür. Niemand kümmerte sich um diese Katze. Und er verspürte den starken Drang, seinen Nachbarn eine Lektion zu erteilen. "Schluss jetzt", sprach Klaus laut aus, selbst erstaunt über seine Entschlossenheit. "Du kommst mit mir."

Er bückte sich, nahm den Kater auf die Arme. Der begann sofort lauter zu schnurren und rieb seinen Kopf an seinem nassen Jackett, wobei er haarige Abdrücke hinterließ. Und dann gingen sie in den sechsten Stock, wo Klaus wohnte. Er nahm den Kater nur für ein paar Tage mit. "Sollen die Besitzer doch erschrecken, sollen sie suchen, sich Sorgen machen. Sollen sie verstehen, dass man so nicht handeln kann…", dachte Klaus, während er seine Wohnung betrat.

Bei ihm zu Hause gewöhnte sich der Kater erstaunlich schnell ein. Er beschnupperte alle Ecken, sprang auf das Sofa, schlich im Kreis, suchte sich einen Platz aus und rollte sich auf einer Decke zusammen, wobei er seinen Retter dankbar ansah. Und während der Kater ruhte, rannte Klaus trotz des feinen, unangenehmen Regens und seiner Müdigkeit in den nächsten Tierladen, kaufte das beste Katzenfutter, eine Katzentoilette und auch noch Spielzeug – für den Fall, dass dem pelzigen Untermieter langweilig würde, während er nicht zu Hause war.

Am nächsten Tag, einem Samstag, ging Klaus mehrmals zu seiner Eingangstür, öffnete sie und spähte ins Treppenhaus. Und er wunderte sich sehr, dass es dort so still war. Niemand lief die Treppe hinauf und hinunter, rief die Katze beim Namen – den er übrigens immer noch nicht kannte –, niemand klebte Zettel an. Alles deutete darauf hin, dass niemand den verschwundenen Kater suchte. Und das war seltsam. Sehr seltsam…

Klaus kehrte in die Wohnung zurück, sah die Katze an und zuckte mit den Schultern. Die wiederum räkelte sich träge auf dem Sofa und dachte nicht im Traum daran, nach draußen zu verlangen. "Hör mal, willst du vielleicht zurück ins Treppenhaus?" fragte Klaus am Sonntag und zeigte auf die Tür. "Ich halte dich nicht. Geh, wenn du musst." Die Katze blickte zur Tür, dann wieder zu Klaus und begann betont, ihre Pfote zu lecken. Dann stand sie auf, kam zu ihm und rieb sich an seinem Bein. Die Antwort war klarer als jedes Wort. Klaus schloss die Tür, schmunzelte und nahm den Kater auf die Arme. Sie gingen in die Küche, um zu frühstücken, und dann ins Wohnzimmer, um fernzusehen. Es war schließlich Wochenende. Der Kater lag auf seinem Schoß und schnurrte wie ein kleiner Traktor, und zum ersten Mal seit langem wurde es in der Wohnung wirklich gemütlich.

Dann kam der Montag. Noch immer suchte niemand nach der Katze. Und Klaus beschloss, sie vorerst nicht zurückzugeben. Das Einzige, was ihm keine Ruhe ließ, war die Befürchtung, die Nachbarn könnten ihn des Diebstahls bezichtigen. De facto hatte er fremdes Eigentum gestohlen. Zwar ein lebendiges, mit guten Absichten und ausschließlich zu Erziehungszwecken, aber er hatte es gestohlen. Klaus spielte im Geiste mögliche Szenarien durch: die Nachbarn würden die Polizei rufen, man würde ihn des Diebstahls bezichtigen, er müsste alles erklären, sich rechtfertigen. Seine Motive könnten missverstanden werden. Dieser Gedanke bohrte in seinem Gehirn und ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Deshalb saß Klaus den ganzen Tag auf der Arbeit wie auf glühenden Kohlen und prüfte ständig sein Handy – ob man ihn anrief. Aber an diesem Tag gab es keinen einzigen entgangenen Anruf.

Und als Klaus abends nach Hause zurückkehrte, sah er den Nachbarn, der gerade den Müll hinunterbrachte. In dem schwarzen Sack war nichts zu erkennen, doch die Umrisse deuteten auf etwas hin, das einem Katzenklo sehr ähnlich sah.

Er winkte dem Nachbarn, damit er stehen blieb, trat näher und fragte ihn wie beiläufig: "Hör mal, Nachbar, ich habe eure Katze schon lange nicht mehr im Treppenhaus gesehen. Wie geht es ihr eigentlich? Lebt sie noch, ist sie gesund?"

Der Nachbar, als er von der Katze hörte, wurde plötzlich munter und grinste übers ganze Gesicht: "Ach, die ist vor ein paar Tagen verschwunden. Und Gott sei Dank!"

"Warum Gott sei Dank?" Klaus bemühte sich, die Frage so zu stellen, dass seine Stimme ruhig und gleichgültig klang.

"Naja, meine Frau wollte sie zur Datscha bringen und dort aussetzen. Sie hat genervt, sagt sie, überall Haare, schreit nachts, wirft Vasen um. Und da, meinte sie, würde sie Mäuse fangen. Hätte wenigstens einen Nutzen. Aber mir passt es gar nicht, zur Datscha zu fahren. Erstens ist es weit. Und zweitens würde meine Frau mich dort garantiert zum Arbeiten zwingen. Und jetzt, wo der Kater von allein verschwunden ist, muss ich nirgends hinfahren. Ich hab gestern sogar zwei Liter Bier getrunken, um das zu feiern. Ist ja schließlich ein Fest."

"Haben Sie denn gar kein Mitleid mit dem Kater? Was, wenn ihm etwas zugestoßen ist?"

"Wozu Mitleid? Das ist doch kein Mensch. Hör mal, warum fragst du überhaupt nach ihr?" Der Nachbar kniff die Augen leicht misstrauisch zusammen und sah Klaus an.

"Ach, nur so…", antwortete Klaus nachdenklich, dann drehte er sich um und ging, ohne sich zu verabschieden, schnellen Schrittes in Richtung Hauseingang.

In Klaus' Innerem kochte alles vor Empörung. "Zur Datscha also… Ende Oktober. Ihn hinfahren und dort aussetzen, dem sicheren Tod überlassen. Und kein Funken Bedauern. Sie sind sogar froh, dass er 'von allein verschwunden ist' und sie von der Notwendigkeit befreit hat, hinzufahren und sich die Hände schmutzig zu machen."

Für einen kurzen Moment stellte er sich diesen lieben, zutraulichen Kater vor, wie er auf der Veranda eines leeren Datschen-Häuschens saß – oder besser: unter einem Zaun – und darauf wartete, dass man ihn zurückholt. Genauso treu und ergeben, wie er es unter der Tür im Treppenhaus getan hatte. Für seine Nachbarn war der Kater ein Ding gewesen, das mal erfreute, mal störte, und wenn es zu oft störte, trug man es vor die Tür. Zuerst für ein paar Stunden ins Treppenhaus, dann für immer zur Datscha.

Als Klaus in den sechsten Stock hinaufstieg, die Wohnung betrat und den Kater sah, der treu und ergeben an der Tür auf ihn wartete, wurde es ihm im Herzen sofort warm. Und er begriff plötzlich, dass er alles richtig gemacht hatte… Richtig, dass er den Kater diesen herzlosen Menschen gestohlen hatte, die ihn im Spätherbst zur Datscha bringen und dort aussetzen wollten. Klaus lächelte, nahm den Kater auf die Arme, und sie gingen in die Küche, um das Abendessen zuzubereiten. Und nach dem Abendessen lagen sie auf dem Sofa und sahen fern. Genauer: Klaus sah fern, und der Kater war einfach nur da. Mal drehte er sich auf die eine Seite, mal auf die andere.

Doch die Geschichte war noch nicht zu Ende. Einige Tage später, an einem Samstagmorgen, klingelte es Sturm an seiner Tür. Der Kater, der gerade auf dem Fensterbrett gedöst hatte, zuckte zusammen und versteckte sich blitzschnell unter dem Sofa.

Draußen stand der Nachbar Heinz, und hinter ihm dräute seine Frau in demselben verwaschenen Bademantel. Ihre Mienen waren hart, ihre Haltung kampfbereit. In Heinas Hand baumelte ein leerer Transportkäfig.

"Wir wissen, dass Sie sie haben! Geben Sie sofort unsere Katze raus!" begann die Frau schrill, ohne jegliche Vorrede.

Einen Moment lang spürte Klaus, wie sein Herz aussetzte. Die Angst, die ihn wochenlang begleitet hatte, war jetzt zum Greifen nah. Aber als er an die Worte des Nachbarn am Mülleimer dachte, als er den leeren, kalten Käfig sah, wich die Angst einer eiskalten Wut.

"Ihre Katze? Sie haben mir doch selbst gesagt, dass es ein Fest für Sie war, als sie verschwand. Dass Sie sie loswerden wollten, wie ein lästiges Möbelstück", sagte er, und seine Stimme war so scharf wie ein Messer. Er vertrat ihnen den Weg, die Schultern gestrafft, eine Hand am Türrahmen.

"Das geht Sie gar nichts an! Das ist unser Eigentum! Wenn Sie sie nicht rausrücken, rufe ich jetzt die Polizei!" zeterte die Frau und fuchtelte mit ihrem Handy in der Luft.

Klaus sah ihr direkt in die Augen. Und dann tat er etwas, womit keiner von beiden rechnete. Er trat einen Schritt zur Seite und öffnete die Tür weit.

"Bitte, rufen Sie die Polizei. Und dann erklären wir denen gemeinsam, wie oft und mit welcher Freude Sie das Tier ins Treppenhaus geworfen haben, wie Sie es mit dem Besen geschlagen haben, und dass Sie es Ende Oktober zum Sterben auf eine leere Datscha bringen wollten. Ich bin gespannt, wie die Beamten das bewerten. Außerdem habe ich Zeugen im Haus, die das bestätigen können. Frau Klein von gegenüber zum Beispiel hat Sie auch den Kater im Treppenhaus anschreien hören. Rufen Sie nur an."

Stille senkte sich über den Treppenabsatz. So schwer, dass man das Ticken der alten Heizungsrohre hörte. Das Gesicht der Frau, eben noch rot vor Zorn, wurde erst fahl, dann fleckig. Heinz blickte zu Boden und rieb sich mit seinen dicken Fingern den Nacken. Das Handy in der Hand seiner Frau blieb dunkel.

Klaus nutzte den Moment. "Oder", fuhr er fort, und seine Stimme wurde leiser, aber eindringlicher, "Sie gehen jetzt wieder in Ihre Wohnung, und wir vergessen die ganze Sache. Sie haben doch schon ihr Katzenklo entsorgt, das ist doch die endgültige Entscheidung, oder nicht? Sie brauchen keine Katze, und sie braucht euch nicht."

Der Nachbar hob schließlich den Kopf. In seinen Augen lag kein Zorn, auch kein Trotz, sondern eine müde Resignation. Er zupfte seine Frau am Ärmel. "Komm, Erika. Er hat recht. Soll er sie doch behalten. Wir reden nicht mehr darüber."

Erika wollte noch etwas einwenden, ein letztes wütendes Zischen entwich ihren Lippen, aber der Mut verließ sie beim Anblick von Klaus' entschlossener Miene. Sie riss Heinz den leeren Käfig aus der Hand und stapfte wortlos die Treppe hinunter, die Schritte hart und schwer auf dem alten Linoleum.

Heinz warf Klaus noch einen langen Blick zu, in dem etwas lag, das entfernt an ein schlechtes Gewissen erinnerte, dann zuckte er die Achseln und folgte seiner Frau. Die Wohnungstür unter ihnen wurde aufgeschlossen, fiel zu, und die Stille kehrte zurück.

Klaus schloss langsam die Tür und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Sein Herz raste. Er sah unter das Sofa, wo zwei leuchtende, ängstliche Augen ihn aus der Dunkelheit anstarrten. Er ging langsam in die Hocke.

"Alles gut, Kleiner. Sie kommen nie wieder."

Als der Kater seine volle, tiefe Stimme hörte, kam er zögernd unter dem Sofa hervor, zuerst mit der Nase, dann mit dem ganzen Körper. Klaus streckte seine Hand aus. Der Kater stupste sie an, erst zögerlich, dann drückte er sein Köpfchen fest in die Handfläche.

Er nahm den Kater auf den Arm und spürte, wie das kleine Herz unter dem dichten Fell genauso schnell pochte wie sein eigenes. Er trug ihn zurück zum Sofa, und sie nahmen ihre gewohnten Plätze ein. Der Kater rollte sich auf seinem Schoß zusammen, zufrieden und zum ersten Mal für immer angekommen.

An diesem Abend, als draußen der Herbstwind durch die leeren Straßen pfiff, kuschelte sich der Kater im Halbschlaf enger an ihn. Er wälzte sich auf den Rücken und streckte ihm vertrauensvoll seinen Bauch entgegen – das verletzlichste Stück von sich. Er tat es ohne zu zögern. Weil er sich nicht mehr fürchtete.

Denn ein richtiges Zuhause, das ist nicht nur eine Zimmerdecke und nicht nur ein Napf mit Futter. Ein richtiges Zuhause ist der Ort, an dem man sich das Recht, zu sein, nicht erst verdienen muss. Wo man geliebt wird. Einfach so. Nur weil man da ist.

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