Meine Freundin ist zu anspruchsvoll, sowohl an sich selbst als auch an andere. Sie hat ihren Sohn Robert großgezogen. Sie hat ihn geliebt, wie alle Mütter es tun, und ihn bei jeder Gelegenheit gelobt. Natürlich hegte sie die Hoffnung, dass er ihr in Zukunft eine gute Stütze sein würde.
Er war ein guter Junge – gehorsam, tüchtig, erfolgreich. Mehr als ein Mädchen aus dem Dorf schaute zu ihm auf. Und nach der Schule ging er auf die Universität. Dort lernte er Jelena kennen und verliebte sich in sie. Als meine Mutter, d.h. meine Freundin, davon erfuhr, war das Mädchen bereits im sechsten Monat schwanger.
Wie sich herausstellte, hatte der Sohn geheiratet, ohne seine Eltern zu informieren. Meine Mutter wurde von dieser Nachricht fast ohnmächtig. Vom ersten Tag an hasste sie ihr Schwiegertochter abgrundtief.
Erstens, wie konnte sie es wagen, sich in das Leben ihres Sohnes einzumischen, und dann auch noch in ihres? Das konnte Victoria auf keinen Fall ertragen. Robert sollte studieren und nicht im Alter von 17 Jahren Babysitter spielen.
Seine Mutter war so geschieden, dass sie sich mit ihrem Sohn stritt. Er, der verzweifelt war und nun die Verantwortung für das Schicksal von Elena und dem zukünftigen Kind trug, brach sein Studium ab und nahm einen Job als Kurier an. Etwas, wofür es sich zu leben lohnt. Dies war ein weiterer Schlag für die Mutter.
Drei Monate vergingen und Elena brachte einen Sohn zur Welt. Victoria fühlte sich keineswegs wie eine Großmutter. Sie dachte, alles sei ein Traum, der sich bald auflösen und alles wieder normal werden würde.
Doch das Leben hatte ein Eigenleben. Da Robert nicht viel verdiente, hatte die junge Familie nichts zur Miete. Jetzt fragte er sich, wohin sie mit einem Baby im Arm gehen sollten. Elena hatte auch noch eine jüngere Schwester. Sie würden nicht in eine Zweizimmerwohnung bei ihren Eltern passen.
So landeten sie in Roberts Haus. Die Schwiegermutter war wie eine hungrige Fliege, die ständig wütend umherschwirrte. Alle Nachbarn wussten schon, was für eine schlechte Schwiegertochter sie hatten. Und ich hatte schon hundertmal davon gehört.
Sie erzählten mir, wie ungeschickt sie in der Küche war. “Wenn sie kocht, isst sie es nur selbst und Robert. Ich kriege es nicht in den Hals”, klagte sie. “Und ihre Eltern kommen am Sonntag. Was soll ich denn da?” Neulich haben die Kleinen ein Zimmer im Haus in ein Kinderzimmer umgewandelt. Sie haben uns gezwungen, alle alten Möbel rauszuwerfen. Meine Schwiegertochter hat neue Möbel mitgebracht. Sie haben den Boden laminiert.
Meine Freundin hat mich zum Familientreffen eingeladen, das am nächsten Sonntag stattfinden sollte. Ich habe zuerst gezögert, ob ich hingehen soll oder nicht, aber dann bin ich doch hingegangen. Ich werde Ihnen sagen, dass ich einen ganz anderen Eindruck von meiner Schwiegertochter und meinem Freund hatte.
Mir wurde klar, dass eine Person, die jemanden nicht liebt, in der Lage ist, Dinge zu erfinden. Elena war ein schönes Mädchen mit guten Manieren. Sie war auch eine gute Gastgeberin, denn ihre Schwiegertochter deckte den Tisch für die Gäste selbst. Ihre Schwiegermutter war in einer Pose.
Die Eltern waren recht angenehme, intelligente Menschen. Die Mutter hatte eine eigene Apotheke. Der Vater lehrte an einer Hochschule. Sie sahen besser aus als Roberts Eltern, dessen Mutter schmollend wie eine Pute dasaß. Und was wollte Victoria von ihrer Schwiegertochter?
Am nächsten Tag jedoch machte sie sich vor ihren Arbeitskollegen über die Eltern meiner Schwägerin lustig. Ich blieb stumm und biss die Zähne zusammen. Ich war wirklich zum Bersten voll mit Empörung. Aber ich konnte meiner Freundin nicht alles vor allen Leuten sagen, und ich wollte nicht aggressiv sein. Ich wartete auf den richtigen Moment, um ihr zu sagen, was ich dachte. Sie solle froh sein, dass Gott ihnen eine gute Schwiegertochter und tolle Heiratsvermittler geschickt habe. Victoria kennt die Jugend von heute noch nicht. Aus meiner Sicht ist Elena wie ein Engel. Und es gibt nichts an ihr auszusetzen.






