Ich verbringe meine Sommer oft auf dem Land bei meiner Mutter. Ich helfe ihr bei der Hausarbeit und gehe mit Rex spazieren. Er ist ein Mischlingshund, aber er ist sehr hübsch. Wir haben eine gegenseitige Zuneigung. Sobald ich meinen Fuß in den Hof setze, reißt er sich schon von der Leine los und hüpft auf seinen Hinterbeinen. Denn er weiß, dass wir morgen zusammen in den Wald gehen werden und er am Ende die ersehnte Freiheit bekommt.
Onkel John wohnte nebenan. Seine Frau war gestorben und er hielt ein paar Hühner und ein Kaninchen im Garten. Das Kaninchen war kein gewöhnliches Kaninchen – es war fast der einzige Trost in seinem Leben. Es war wirklich sehr hübsch – weiß und flauschig, mit einer rosa Nase. John war stolz auf ihn und nannte ihn Kaz. Er nahm ihn in seine Arme und streichelte ihn, wenn er nicht arbeitete. Manchmal beobachtete ich ihn und fragte mich, wer mehr Spaß hatte, das Kaninchen oder Onkel John? Das weiße Haustier war nicht billig und kostete um die 400 Greenbacks.
Kaz brauchte besondere Pflege – eine spezielle Diät, ständiges Auskämmen seines Fells, was sein Nachbar bereitwillig tat.
Das Kaninchen saß oft in einem Käfig im Garten, wo die Sonne warm war und das Gras frisch war. Unser Rex ging auch dorthin, wenn ich ihn von der Leine ließ. Er schaute sich das ungewöhnliche Tier gerne an, war wütend, dass er es nicht erreichen konnte.
Eines Tages saß ich draußen und trank Tee. Rex kam auf mich zugerannt, ganz schmutzig, mit einem toten Kaninchen zwischen seinen Zähnen. Da wurde mir ganz kalt ums Herz. Ich glaube, ich werde jetzt von meinem Nachbarn eine Nuss bekommen. Ich werde bezahlen müssen. Woher soll ich so viel Geld nehmen?
Ich nahm das Kaninchen von Rex, wusch es sauber, trocknete es ab, kämmte es aus und ging in den Garten des Nachbarn. Leise öffnete er den Käfig, setzte das Kaninchen hinein und steckte ihm eine Karotte ins Maul. Leise ging er selbst nach Hause.
Ein paar Stunden später klopfte jemand an die Tür. Ich öffnete die Tür. Mein Nachbar, bleich wie eine Wand, stand auf der Türschwelle und sah mich mit wütenden Augen an. Das war’s, dachte ich, er wird mich umbringen.
– Haben Sie Tropfen für Ihr Herz? Das ist mir auch schon passiert. Mein Kaz ist gestern gestorben. Ich habe ihn ordentlich begraben, unter der Scheune beim Apfelbaum. Heute bin ich in den Obstgarten gegangen und da sitzt er in seinem Käfig und frisst Möhren. Können Sie sich das vorstellen?






