Dunkelheit.
Dichter Rauch.
Feuer.
Schreie.
Ein kleiner Junge, kaum sechs Jahre alt, sitzt in einem brennenden Haus fest. Jeder Atemzug fällt schwerer, seine Augen brennen, sein Körper zittert vor Angst.
— Mama… — seine Stimme geht im Husten unter.
Doch niemand kommt.
Niemand…
Bis plötzlich die Tür aufgerissen wird.
Jemand stürmt hinein.
Eine Frau.
Sie denkt nicht nach. Sie zögert nicht. Sie hat keine Angst.
Sie läuft durch das Feuer.
Nimmt den Jungen in die Arme.
Drückt ihn fest an sich.
— Ich bin hier… hab keine Angst… ich hab dich…
Ihre Stimme ist ruhig.
Warm.
Sicher.
Sie schützt ihn mit ihrem Körper vor den Flammen, vor der Hitze, vor der Angst.
Schritt für Schritt.
Durch den Rauch.
Durch den Schmerz.
Durch die Gefahr.
Sie trägt ihn hinaus.
Sie rettet ihn.
Die Erinnerung zerbricht.
Und Artem ist wieder in der Gegenwart.
Regen. Nacht. Asphalt.
Und sie… liegt vor ihm.
Seine Brust zieht sich zusammen, als hätte er wieder keine Luft.
Sein Atem wird unruhig.
Seine Augen füllen sich mit etwas, das er seit Jahren nicht gespürt hat.
Schuld.
Schmerz.
Erkenntnis.
— Waren Sie das…? — flüstert er kaum hörbar.
Die alte Frau sieht ihn an.
Ihr Blick ist ruhig.
Sanft.
— Du warst so klein… — sagt sie leise. — Du konntest nicht atmen…
Seine Beine geben nach.
Er sinkt vor ihr auf die Knie.
Der Mann, der sie gerade noch weggestoßen hat…
Ist jetzt kein starker Mann mehr.
Sondern ein verängstigtes Kind.
— Es tut mir leid… — seine Stimme bricht. — Ich… ich wusste es nicht…
Doch tief in sich kennt er die Wahrheit.
Er wusste es nicht nicht.
Er hat es vergessen.
